Jordanien 2018

NACH VORNE BLICKEN – Hoffnungen und Wünsche von Flüchtlingskindern in Jordanien

 

Vorneweg: Die Mission war ein voller Erfolg!

Das Team und die Journalistin besuchten am 30. April 2018 das Camp Za’atari im Norden Jordaniens. Zum Besuch gehörten ein Security Briefing, die Verteilung der Brotrationen durch das World Food Programm, ein Interviewtermin bei einer Familie in ihrem Wohncontainer und ein Besuch bei einem Early Learning Centers von unserer Partnerorganisation Save the Children, wo junge Kinder pädagogisch und – falls nötig – auch psychologisch betreut werden.

Wir brachten 175 von unserer Community handgemachte Strickpuppen, 50 Hacky Sacks und vorher eingekauftes Spielzeug im Wert von ca. 250 Jordanischen Dinar (ca. CHF 353) mit. Die Kinder und auch die Betreuer vor Ort haben sich sehr über die Sachen gefreut.

Alles in allem war es ein sehr eindrücklicher Besuch, der uns viele Herausforderungen aufzeigte, vor denen die Lagerleitung, die knapp 80’000 BewohnerInnen und alle HelferInnen stehen. Dennoch muss man den jordanischen Staat auch dafür loben, dass es ihm zusammen mit UNHCR, diversen NGOs und anderen Staaten gelungen ist, ein Lager zu entwickeln, wo die Menschen in relativer Sicherheit und Würde leben können.

Am nächsten Tag besuchten wir das Happiness Again in Amman. Das Traumazentrum, welches wir schon im 4. Jahr finanziell unterstützen, hat erneut einen äusserst professionellen Eindruck gemacht. Zurzeit werden pro Jahr 300 Kinder psychologisch behandelt. Das sind oft schwer traumatisierte Kinder, welche Furchtbares miterleben mussten und Symptome wie Sprachstörungen und -verweigerung, Aggressionsstörungen oder andere typische Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung zeigen.

Daneben leistet das Happiness Again aber noch viel mehr: Über die Kinder gelangen sie an die Familien, welchen sie auf vielfältige Weise mit Rat und Tat zur Seite stehen. Beispielsweise unterstützten sie die Familien beim Kampf mit den Behörden für ihre Papiere. Neu bieten sie auch einen Nähkurs an, dessen Waren verkauft werden und so wieder das Traumazentrum mitfinanzieren.

Hier brachten wir unsere jährliche Barspende (CHF 3’000.-) plus Zeichnungsmaterial für die Maltherapie, sowie die restlichen 75 Strickpuppen mit.

Im Anschluss fuhren wir zur Familie eines Kindes. Die Familie ist illegal aus einem Camp gegangen und lebt nun ohne Papiere und weitgehend ohne jede Hilfe unter erbärmlichen Umständen. Wir erfuhren, was ihre dringendsten Probleme sind und wie sie in diese schlimme Lage gekommen ist.

Neben diesen ausführlichen Besuchen hatten wir Treffen mit Vertretern von Schweizer Kirchen und Vorstandsmitgliedern von Syrian refugee crisis, ein Gespräch mit dem jordanischen Roten Kreuz und ein Meeting mit der DEZA in Amman.

Während der ganzen Reise sammelten wir Zeichnungen der Kinder, machten Porträtfotos und führten Kurzinterviews. Für das weitere Projekt „Nach Vorne Blicken“ konnten wir viel interessantes Material zusammentragen.

Details zum Projekt:

Projektziel:

Kreierung einer Ausstellung in der Schweiz, Besuch und finanzielle Unterstützung des Traumazentrums Happiness Aain Maliki Center in Amman, Sammlung von Zeichnungen der Kinder, Besuch eines Flüchtlingslagers

Mittel:

250 Strickpuppen für die Kinder, Hacky Sacks, Spielzeug, Geldsammlung als Crowdsourcing-Projekt aus 100days

Projektdauer:

Reise nach Jordanien: Ende April – Mitte Mai 2018

Partner:

Happiness Again – Malki Center, Syrian refugee crisis, Save the Children

Kontaktperson:

Ort:

Jordanien


 


Hintergrundinformationen:

Der syrische Konflikt zwang über 11 Millionen Menschen zur Flucht. Allein im Nachbarland Jordanien suchen über 650’000 Syrerinnen und Syrer nach Schutz. Rund ein Viertel davon sind jünger als 18 Jahre.

Oft mangelt es ihnen an Nahrungsmittel, Wasser, angemessenen Unterkünften und der grundlegenden materiellen Ausstattung. Bisher stark vernachlässigt wurden die psychologischen Folgen des Krieges und des Lebens als Flüchtling. Schätzungen zufolge leidet rund die Hälfte von ihnen an schweren psychischen Traumata. Der syrisch-amerikanische Neuropsychologe Mohamad Hamza prägte für diese besonders schwerwiegende Form einer Posttraumatischen Belastungsstörung den Begriff „Human Devastation Syndrome“, zu Deutsch etwa “Menschliches Vernichtungssyndrom”.

Die Folgen sind, dass sich viele Kinder selbst verletzen, aggressiv und zutiefst traurig sind. Sie sind in sich gekehrt, nässen sich ein, können weder schlafen noch sich konzentrieren. Sie zucken zusammen, wenn sie ein Flugzeug am Himmel hören. Und es gibt Fälle von Kinder, die bereits im Alter von sechs Jahren versuchen, sich selbst zu töten.

Leider gibt es bei weitem nicht genügend psychologische Fachkräfte, um die vielen schweren Traumata zu behandeln. Schlimmer noch: Anhand von früheren Erkenntnissen, bspw. aus den Golf-Kriegen, ist zu befürchten, dass gewaltbereite Gruppen solche Kinder rekrutieren und für ihre Zwecke missbrauchen.