Unterstützung für Hilfsprojekte im Nahen Osten

Liebe StrickWärmler, liebe Freunde und Unterstützer,

Zurück aus Jordanien, will ich versuchen unsere Eindrücke und mein daraus folgendes Fazit zu schildern.

Zunächst geht ein grosses Dankeschön an die SchülerInnen der 5./6. Klasse von Fischbach und Zell. Mit ihrer Aktion bei welcher sie gehäkelte Topflappen und Selbstgebasteltes verkauften, kamen total CHF 1830.- zusammen. Toll gemacht! Diese Summe hat ihr Lehrer Hr. Gassmann uns zweckgebunden für das Trauma-Zentrum „Happiness Again“ in Amman überwiesen. StrickWärme hat den Betrag auf 2000 € aufgerundet und in Amman übergeben, wodurch keinerlei Transaktionsgebühren angefallen sind. Dazu nahmen wir auch einen Koffer voller Strickpuppen unserer Community mit. Als wir die Auslage neben den Kindern aufbauten, konnten diese sich fast nicht mehr ruhig auf ihren Stühlen halten. Rasch hatten die Puppen ein neues zu Hause gefunden und den Kindern ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Danke auch an alle, die uns bei der Strickaktion unterstützt haben.

Das Trauma-Zentrum „Happiness Again“ machte einen ausgezeichneten Eindruck. Das StrickWärme-Team bestehend aus Andrea und Rashid kam an, als die Kinder gerade beim Basteln waren. Die Leiterin Layla Midani führte uns durch die Räumlichkeiten und erklärte uns das Konzept des Zentrums. Dabei werden jeweils 40 Kinder für 3 Monaten in einem kombinierten Programm psychologisch und pädagogisch betreut. Die Kinder sind halbtags im Zentrum und verarbeiten das Erlebte, indem sie Skulpturen mit Sand modellieren oder in Gruppen Musiktherapie-Sitzungen abhalten. Im Weiteren werden aber auch die Familien der Kinder besucht und mit dem Notwendigsten versorgt.

Wenn man sich vor Augen hält, was dort mit der jährlichen Summe von ca. CHF 60’000 erreicht wird, zeigt sich der effiziente Einsatz der Mittel deutlich. Es profitieren zum einen die Kinder, die sich wenigstens zeitweise in ordentlichen Räumen aufhalten können, ihre Traumata psychologisch behandeln lassen können und einfach auch wie ganz normale Kinder etwas Zeit zum Spielen und Lernen bekommen. Wie bereits angemerkt, hilft es aber auch den Familien, die oft vollkommen verarmt sind und so dringend benötigte Essenspakete erhalten. Zudem darf nicht vergessen werden, dass durch das Projekt vor Ort einige Jobs geschaffen wurden. 1-2 Psychologen und einige Lehrkräfte kommen so zu einem regelmässigen Einkommen.

Dies zeigt wie viel effizienter finanzielle Mittel in Ländern wie Jordanien eingesetzt werden können. Ein vergleichbares Projekt in der Schweiz würde ein Vielfaches ausmachen. Wieviel würde die Miete für eine grosse Wohnung mitten in der Grossstadt und die Löhne für mehrere Angestellte kosten? Zum Vergleich: die Angestellten von „Happiness Again“ erhalten einen Monatslohn von rund 400 US-$.

Gerade die wirtschaftliche Lage ist aktuell für Jordanien zentral. Das kleine Königreich hatte 2010 rund 6 Millionen Einwohner, 2015 sind es schon über 9.5 Millionen, wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen dürfte, da sich viele Menschen illegal im Land aufhalten. Diese dramatische Bevölkerungsvermehrung ist natürlich vor allem der Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak, dem Jemen und Ägypten geschuldet. Dazu kommt, dass bereits vor 2010 rund die Hälfte der Bevölkerung durch Fluchtursachen in das Land kam: Vor allem ab 1948 aus Palästina/Israel oder durch die Golfkriege aus dem Irak. Wenn unsere Medien oder die Organe der UNO von etwa 650’000 Flüchtlingen in Jordanien sprechen, beziehen sie sich ausschliesslich auf die offiziell anerkannten Flüchtlinge aus Syrien.

Die Bevölkerungsexplosion führt zu unmittelbaren Folgen: Die Preise für Wohnraum oder Lebensmittel haben sich zum Teil verdoppelt, während die Löhne auf sehr bescheidenem Niveau verharren. Dadurch blüht die Korruption auf kleiner Ebene auf.[1] Polizisten oder andere Staatsbeamte können immer öfter nur überleben, indem sie ihre Positionen missbrauchen um ein Zusatzeinkommen zu erschleichen. Das wiederum verschärft die Lage für alle Einwohner weiter. Ein Teufelskreis. Auch die Wasserarmut macht dem Land sehr zu schaffen. Jordanien, ohnehin eines der wasserärmsten Länder, hat zunehmend Mühe die Einwohner zu versorgen, was insbesondere die ländlichen Gegenden hart trifft. Hilft der Westen hierbei? Nein, im Gegenteil! Denn viele der existierenden Quellen wurden von westlichen Firmen, in erster Linie dem Schweizer Giganten Néstle, aufgekauft.[2] Das Wasser wird nun zu horrenden Preisen verkauft. Für eine 1-½ l Flasche „Pure Life“, ein viel verwendeter Produktname des Schweizer Konzerns, habe ich selber in einer ländlichen Gegend 1.8 JD (CHF 2.5) bezahlt. Unter Unterstützung verstehe ich etwas Anderes.

Das Fazit für mich als Co-Präsident von StrickWärme ist, dass es aus ökonomischer Sicht absolut Sinn macht, Projekte in Jordanien zu unterstützen. Sie werden auch dringendst benötigt. Die UNHCR meldet aktuell, dass für die mehr als 650’000 offiziell anerkannten syrischen Flüchtlinge im Land rund 1.1 Mia $ gebraucht würden, bisher haben die reichen Geberländer gerade einmal 19% der benötigten Mittel überwiesen.[3] Wie oben gezeigt, bezieht sich diese Rechnung aber nur auf einen kleinen Teil der Flüchtlinge im Land und auch die Einheimischen leiden oft unter der Situation.

Aus all diesen Gründen bitten wir euch uns finanziell zu helfen. Wir möchten gerne mehr Projekte in Staaten wie Jordanien unterstützen. Da das Engagement der StrickWärmler vollkommen ehrenamtlich ist, können wir euch versichern, dass bei uns ein sehr hoher Prozentsatz direkt in die Projekte fliesst. Bei Fragen hierzu könnt ihr euch gerne direkt an mich wenden.

Liebe Grüsse

Rashid


[1] http://edition.cnn.com/2016/05/03/middleeast/arab-spring-corruption-transparency-international/index.html (abgerufen am 23. Mai 2016).

[2] vgl. http://www.nestle-waters.com/brands/all-brands/all-brands-list (abgerufen am 23. Mai 2016). Vgl. für Jordanien etwa unter dem Buchstaben G, Ghadeer, das am häufigsten verkaufte Flaschenwasser Jordaniens, sowie unter N, Néstle Pure Life, zu dem der Schweizer Konzern anmerkt, dass es die weltweit grösste Marke im Trinkwasserbereich ist, vertreten in 32 Ländern und 5 Kontinenten.

[3] http://data.unhcr.org/syrianrefugees/country.php?id=107 (abgerufen am 23. Mai 2016).